Deshalb haben wir uns in der Ratssitzung am 12. März 2026 beim CDU-Antrag für einen Ratsbürgerentscheid zum Thema „Rupprecht Haus“ enthalten:
Wir Grüne unterstützen immer die Einbeziehung von Bürgerinnen und Bürgern bei Entscheidungsprozessen und finden, dass ein Ratsbürgerentscheid grundsätzlich ein gutes Instrument dafür ist. ABER:
Der richtige Zeitpunkt wurde verpasst, man hätte spätestens im Jahr 2024 damit beginnen müssen, als zum ersten Mal die 55 Millionen auftauchten. Jetzt ist es zu spät. Die Vorbereitungen würden auch viel zu lange dauern und die Kosten sind auch nicht unerheblich. Außerdem fehlten uns in diesem Antrag Vorschläge zur konkreten Fragestellung. Es muss eine „Ja/Nein-Frage“ sein und allein das wird der Komplexität des Themas nicht gerecht.
Besser wäre das Format „Bürgerrat“ gewesen, es ist ein weitergehendes Beteiligungsinstrument, also eine Form der Beteiligung, die über Ja/Nein-Abstimmungen hinausgeht. Ein Bürgerrat ist eine Gruppe von zufällig ausgewählten Bürgerinnen und Bürgern, die gemeinsam an einer politischen oder planerischen Frage arbeiten. Sie werden per Losverfahren ausgewählt und können differenzierte Lösungsvorschläge entwickeln. So kann man beispielsweise
- frühzeitig Konflikte erkennen
- verschiedene Interessen ausgleichen
- und bessere, akzeptierte Lösungen entwickeln
Zugegebenermaßen sind wir auch nicht früher auf diese Idee gekommen.
Ein Ratsbürgerentscheid oder eben ein Bürgerrat sind Instrumente aus dem Werkzeugkasten der Demokratie. In diesem Zusammenhang öffentlich davon zu sprechen, dass hier etwas „zerredet“ wird, wie es die Mehrheitsfraktion in der Presse getan hat, ist
- herabsetzend gegenüber den Menschen, die sich auf politischer Ebene damit beschäftigen und ihr Mandat im Sinne des Gemeinwohls unserer Stadt ausüben. Und
- herabsetzend gegenüber den Bürgerinnen und Bürgern, die sich berechtigter Weise Sorgen um die Schuldenlage ihrer Stadt machen.
Man bricht sich auch nicht den berühmten „Zacken aus der Krone“, wenn man einfach mal eingesteht, dass das ganze Projekt aus dem Ruder läuft und man neu planen sollte, denn es geht auch günstiger. Vorschläge gab und gibt es genug. Wir glauben auch, dass viele Bürgerinnen und Bürger gerade eine solche Haltung honorieren würden.



Kommentar verfassen
Verwandte Artikel
Interkommunale Zusammenarbeit 2026 – Gemeinsamer Antrag mit SPD, CDU, FDP und DIE LINKE
Sehr geehrter Herr Jacobi, die Fraktionen SPD, CDU, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, FDP und DIE LINKE stellen zur Sitzung des Hauptausschusses am 07.07.2026 und des Rates am 09.07.2026 folgenden Antrag: Die…
Weiterlesen »
Anfrage zu Hitzeschutz- und Hitzeanpassungsmaßnahmen
Zurzeit erleben wir hier gerade eine massive Hitzewelle, welche ihren Höhepunkt am Wochenende erreichen soll. Die wissenschaftlichen Prognosen sind recht eindeutig: Hitzewellen werden in Deutschland häufiger, länger, intensiver und früher…
Weiterlesen »
Gute Nachrichten für den Natur- und Artenschutz!
Schlechte Nachrichten für alle Radfahrenden: Die SPD blockiert weiterhin den schnellen, alternativen Radrouten-Lückenschluss! Der Silscheder Tunnel wird als Rad- und Fußweg auf absehbare Zeit nicht als Teil des Alleenradweges „Von…
Weiterlesen »